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Bluthochdruck und Tauchen – Medikamente verhindern Lungenödeme

Ein erhöhter Blutdruck kann unter Wasser zu Lungenödemen führen. Blutdrucksenker verringern das Risiko, erfordern aber teils eigene Vorsichtsmaßnahmen.

Bluthochdruck erhöht das Risiko von Lungenödemen

Viele Sporttaucher haben das Alter von 50 Jahren überschritten, andere kämpfen mit Übergewicht – Bluthochdruck ist in beiden Fällen ein häufiges Problem. Der Kreislauf ist dann stärker belastet und das Risiko eines Tauchunfalls deutlich erhöht. Selbst wenn Medikamente den Blutdruck normalisieren, gibt es einige Dinge zu beachten.

Tauchen belastet jeden Kreislauf

Jeder Tauchgang ist eine Herausforderung für den Kreislauf. Das Problem ist nicht der erhöhte Wasserdruck, dieser hat auf die Pumparbeit des Herzens keinen direkten Einfluss. Entscheidend sind andere Faktoren1:

  • körperliche Anstrengungen haben unter Wasser größere Auswirkungen auf den Blutdruck
  • kühlt der Körper im Wasser aus, verengen sich die Blutgefäße und setzen dem Herz größeren Widerstand entgegen
  • der erhöhte Sauerstoffpartialdruck löst ebenfalls eine Engstellung der Gefäße aus

Eine weitere Komplikation ist das vergrößerte Blutvolumen im Brustraum, das sich bei jedem Tauchgang einstellt. Zum einen löst es einen leichten Anstieg des Blutdrucks aus. Zum anderen zwingt das erhöhte Blutvolumen die rechte Herzkammer zu einer erhöhten Leistung, einer sogenannten Vorlasterhöhung: Das Blut wird verstärkt in die Lungengefäße gepumpt2.

Tauchen erhöht das Risiko von Lungenödemen

Schon an Land erzeugt jeder Atemzug einen leichten Unterdruck in der Lunge, unter Wasser wird dies durch den Atemregler noch verstärkt. Wenn ein erhöhter Blutdruck auf einen erhöhten Unterdruck trifft, begünstigt dies den Übertritt von Flüssigkeit in die Lunge – ein Lungenödem entsteht. Dieses Phänomen tritt bei jedem Taucher auf, doch ein gesunder Kreislauf kann die ausgetretene Flüssigkeit in der Regel schnell wieder abtransportieren.

Bei Bluthochdruck kommt jedoch ein weiterer Umstand hinzu: Die linke Herzkammer kann das Blut nicht mehr so schnell aus der Lunge entfernen. Dies gilt vielleicht sogar dann, wenn der Blutdruck gut mit Medikamenten eingestellt ist. Das Risiko eines Lungenödems ist daher deutlich erhöht, vor allem wenn andere Faktoren den Kreislauf zusätzlich belasten. Alle Blutdruckpatienten sollten daher beim Tauchen große Anstrengungen, große Tiefen und kaltes Wasser möglichst vermeiden.

Wenn ein Lungenödem auftritt, sollte dies sehr ernst genommen werden. Folgende Symptome treten auf1:

  • Atemnot während oder kurz nach dem Tauchen
  • starkes Unwohlsein, das eventuell einen Notaufstieg nötig macht
  • Rasselgeräusche beim Atmen
  • Hustenreiz mit blutig-schaumigen Auswurf

Ist der Taucher sicher aufs Trockene gelangt, sollte sofort ein Rettungsdienst verständigt werden. Wenn ernste Komplikationen ausbleiben, stellt sich meist rasch eine Besserung ein, sobald das Tauchgerät abgelegt und der Körper wieder erwärmt ist.

Blutdrucksenker verringern das Risiko

Lungenödeme lassen sich weitgehend vermeiden, wenn der Blutdruck auf den Normalwert eingestellt ist. Meist wird dies mit Medikamenten erfolgen, die eine längere Einstellphase benötigen. In den ersten Wochen kann der Blutdruck noch stark schwanken, zusätzlich lösen manche Medikamente eine erhöhte Müdigkeit aus. Die Tauchtauglichkeit ist erst gegeben, wenn die passende Medikamentendosis gefunden und die Blutwerte dauerhaft stabil bleiben. In der Regel erfordert die Einstellung oder Neueinstellung von Medikamenten mindestens drei Monate.

Tauchen ist nur möglich, wenn Medikamente den Blutdruck auf Normalwerte einstellen

Nicht alle Blutdrucksenker sind gleich gut für das Sporttauchen geeignet 1,2. Als empfehlenswert gelten Calciumantagonisten, ACE-Hemmer und AT1-Antagonisten3. Betablocker hingegen reduzieren die Schlagfrequenz des Herzens und verengen in seltenen Fällen die Atemwege. Grundsätzlich ist das Tauchen auch mit gut eingestellten Betablockern möglich, allerdings sind – falls möglich – Alternativen zu bevorzugen.

Einschränkungen gelten auch für Diuretika, die die Wasserausscheidung erhöhen. Dies erhöht die Gefahr einer Dehydration – vor dem Tauchen muss daher immer ausreichend Flüssigkeit aufgenommen werden. Die seltener eingesetzten Alpha-Rezeptorenblocker sind ebenfalls nur eingeschränkt empfehlenswert, da sie Schwindel auslösen und zu einer schnelleren Auskühlung führen können.

Tauchunfähigkeit bei Organschäden

Selbst gut eingestellte Medikamente helfen jedoch nicht, wenn der Bluthochdruck bereits innere Organe wie Herz oder Nieren angegriffen hat. Das Risiko von Tauchunfällen steigt dann deutlich an. Organschäden treten vor allem in späten Phasen des essenziellen Bluthochdrucks auf, der häufigsten Form der Erkrankung. Fehlfunktionen von Organen können ebenfalls den Blutdruck in die Höhe treiben: Bei diesem sekundären Bluthochdruck kann die Grunderkrankung das Tauchen unmöglich machen.

Tödliche Unfälle sind im Tauchsport zum Glück sehr selten. Meist können die Ursachen nicht aufgeklärt werden – wenn doch, litten die Verstorbenen ungewöhnlich häufig an Bluthochdruck4. Die Gefahr, die vom Bluthochdruck ausgeht, sollte daher ernst genommen werden. Wer allerdings mit Medikamenten gut eingestellt ist und grundlegende Vorsichtsmaßnahmen beachtet, kann weiterhin unbeschwert die Unterwasserwelt genießen.

Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel gibt den aktuellen Stand des Wissens wieder. Er enthält jedoch nur allgemeine Hinweise, die nicht für eine Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung geeignet sind. Einen Arztbesuch kann er auf keinen Fall ersetzen.

Quellen und weiterführende Literatur

  • 1 Muth et al., Tauchen mit Bluthochdruck, Tauchen, Ausgabe Februar 2020 (Link)
  • 2 Koch, Klapa und Weisser, Tauchen und Hypertonie, Deutsche Hochdruckliga e.V., Druckpunkt 1/2019, Datum (Link)
alle Quellen anzeigen
  • 3 Tauchen unter Druck – Bluthochdruck und Immersions-Lungenödem, ein schlechtes Buddy-Team?, aqua-med.eu, abgerufen September 2021 (Link)
  • 4 Buzzacott et al., Epidemiology of morbidity and mortality in US and Canadian recreational scuba diving, Divers Alert Network, 2018 (Link)
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