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Salzsensitive Menschen neigen zu Bluthochdruck

Natrium, ein Bestandteil von Kochsalz, kann den Blutdruck in die Höhe treiben. Abhilfe schafft eine Diät, die verarbeitete Lebensmittel wie Brot und Wurst meidet.

Deutsche essen zu viel Salz, im Durchschnitt fast das Doppelte der empfohlenen Menge1. Die Konsequenzen spüren vor allem Menschen, die "salzsensitiv" sind: Je mehr Kochsalz sie aufnehmen, desto höher steigt ihr Blutdruck. Und damit auch das Risiko schwerer Folgeerkrankungen wie Arteriosklerose und Herzinfarkt.

Der Mineralstoff Natrium – zu viel ist ungesund

Ein vollständiger Verzicht auf Salz ist jedoch keine Lösung, da der Körper es zwingend zum Überleben braucht. Unverzichtbar ist vor allem der Mineralstoff Natrium, neben Chlorid der Hauptbestandteil von Kochsalz. Nerven und Muskeln benötigen Natrium für die Weiterleitung von elektrischen Signalen, Gewebe und Körperzellen für die Kontrolle des Wasserhaushalts.

Ein Überschuss an Natrium kann jedoch schwere Störungen auslösen und so ist der Körper bestrebt, immer das richtige Maß zu finden. Den Nieren kommt dabei die Aufgabe zu, den Überschuss mit dem Urin aus dem Körper zu transportieren. Etwa 80 bis 100 Milliliter Flüssigkeit werden benötigt, um ein Gramm Kochsalz auszuscheiden2.

Manche Menschen können den Mineralstoff jedoch nur schwer loswerden und viele Forscher vermuten, dass dies der Auslöser der Salzsensitivität ist3. Eine andere Theorie besagt, dass Natrium direkt auf Blutgefäße wirken und damit auch den Blutdruck erhöhen kann4. Was auch letztlich die Erklärung sein mag, das Problem ist weit verbreitet: Etwa 10 bis 20 Prozent der Menschen mit normalem Blutdruck, aber bereits 30 bis 50 Prozent der Bluthochdruckpatienten zählen zu den Salzsensitiven1.

Wer gehört zu den Salzsensitiven?

Wie wird eine Salzsensitivität nachgewiesen? Leider gibt es keinen Test, der eine schnelle und einfache Antwort liefert. Die einzige verlässliche Möglichkeit ist eine salzarme Diät, die mindestens eine Woche lang konsequent eingehalten wird. Hat die Diät merklichen Einfluss auf den Blutdruck, gehört man quasi per Definition zu den Salzsensitiven3.

Ein erhöhtes Risiko haben vor allem ältere und übergewichtige Menschen. Das Entstehen einer Salzsensitivität kann auch von folgenden Faktoren abhängen3:

  • Störungen im Stoffwechsel, wie etwa Adipositas und das metabolisches Syndrom4
  • Ungleichgewichte im Hormonhaushalt, vor allem bei Insulin und Aldosteron
  • erbliche, im Erbgut verankerte Merkmale

Vorsicht vor versteckten Salzquellen

Auswirkungen auf den Blutdruck hat eine Salzsensitivität allerdings nur, wenn auch zu viel Salz aufgenommen wird. Und selbst dann kann jeder die Folgen selbst vermindern: Eine Reduktion der aufgenommenen Salzmenge lässt den Blutdruck innerhalb weniger Tage spürbar sinken. Die Auswertung von 185 medizinischen Studien durch das unabhängige Forschungsnetzwerk Cochrane hat gezeigt, dass der systolische (obere) Blutdruck um 5,5 mmHg und der diastolische (untere) Wert um 2,9 mmHg sinken5. Die Teilnehmer diesen Studien haben dazu ihren täglichen Salzkonsum von durchschnittlich etwa 12 auf 4 Gramm reduziert – der maximale Effekt auf den Blutdruck war schon innerhalb einer Woche erreicht.

Experten empfehlen daher, den Salzkonsum auf ein vernünftiges Maß zu begrenzen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hält für Erwachsene 5 Gramm Kochsalz pro Tag für ausreichend, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt mit 6 Gramm einen etwas höheren Wert an. Von beiden Empfehlungen sind viele Deutsche weit entfernt: Im Durchschnitt nehmen Frauen hierzulande täglich 8,4 Gramm, Männer sogar 10,0 Gramm Kochsalz auf1.

Wer seinen Salzkonsum verringern will, muss vor allem auf versteckte Quellen achten: Verarbeitete Lebensmittel wie Brot, Fleisch, Wurst und Käse enthalten häufig größere Mengen an Salz6. Gleiches gilt auch für Fertiggerichte. Der Salzgehalt ist oft nicht direkt ersichtlich, da auf vielen Verpackungen nur die Menge an Natrium angegeben wird. Diesen Wert muss man mit dem Faktor 2,5 multiplizieren, um die Menge an Kochsalz abzuschätzen.

Naturbelassene Nahrungsmittel, egal ob pflanzlichen und tierischen Ursprungs, enthalten hingegen nur sehr wenig Salz. Wer seine Mahlzeiten selbst zubereiten kann, hat daher auch eine bessere Kontrolle über den eigenen Salzkonsum. Darüber hinaus hat die DGE noch folgende Tipps parat1:

  • Verzehr verarbeiteter Lebensmittel reduzieren
  • mit Gewürzen und Kräuter würzen
  • in kleinen Schritten an verringerte Salzmengen gewöhnen

Fazit

Ein Überschuss an Kochsalz und dem darin enthaltenen Natrium kann, muss aber nicht zum Bluthochdruck beitragen. Wer sich unsicher ist, ob er zu den Salzsensitiven gehört, oder vielleicht bereits an Bluthochdruck leidet, sollte auf Nummer sicher gehen und seinen Salzkonsum reduzieren. Am besten gelingt dies, wenn man auf verarbeitete Lebensmittel verzichtet und seine Mahlzeiten selbst frisch zubereitet – nur so ist man vor versteckten Salzquellen sicher.

Quellen und weiterführende Literatur

  • 1 Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V., Ausgewählte Fragen und Antworten zu Speisesalz, Webseite, abgerufen Juli 2020 (Link)
  • 2 U. Jonack, Zu viel Salz ist ungesund – hier steckt es drin, kardionet.de, Januar 2020 (Link)
alle Referenzen anzeigen
  • 3 Elijovich et al., Salt Sensitivity of Blood Pressure: A Scientific Statement From the American Heart Association, Hypertension, September 2016 (Link)
  • 4 Kurtz et al., Changing views on the common physiologic abnormality that mediates salt sensitivity and initiation of salt-induced hypertension: Japanese research underpinning the vasodysfunction theory of salt sensitivity, Hypertension Research, Januar 2019 (Link)
  • 4 A. Zatecky, Metabolisches Syndrom erhöht die Salzempfindlichkeit, Kardiologie, August 2015 (Link)
  • 5 Graudal et al., Effects of low sodium diet versus high sodium diet on blood pressure, renin, aldosterone, catecholamines, cholesterol, and triglyceride, Cochrane Database Syst Rev, April 2017 (Link)
  • 6 Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Tipps für eine salzarme Ernährung, gesundheitsinformation.de, Stand Mai 2019 (Link)
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