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Niedriger Blutdruck – meist ein leicht zu lösendes Problem

Ein zu niedriger Blutdruck kann Benommenheit und Schwindel auslösen. Abhilfe schaffen Wechselbäder, körperliche Bewegung und ausreichendes Trinken.

In Deutschland leben bis zu drei Millionen Menschen, die einen zu niedrigen Blutdruck aufweisen1. Im Alltag kann das sehr lästig sein, schädliche Folgen hat es jedoch nicht. Anders als beim Bluthochdruck werden Herz und Kreislauf nicht zusätzlich belastet. Eine Hypotonie – der medizinische Ausdruck für niedrigen Blutdruck – gilt daher nicht als eigenständige Krankheit.

Unterschiedliche Formen von niedrigem Blutdruck

Folge eines Flüssigkeitsmangels

Bei der Diagnose einer Hypotonie schauen Ärzte vor allem auf den oberen, systolischen Blutdruck. Er sollte nicht deutlich unter den Normalwert von 120 mmHg fallen, die Schwelle zum niedrigen Blutdruck ist allerdings fließend und nicht exakt definiert. Für die Deutsche Herzstiftung liegt der Grenzwert bei 110 mmHg1.

Ein kurzzeitiger Abfall des Blutdrucks ist nichts Außergewöhnliches, vermutlich hat das jeder schon einmal durchlebt. Auslöser ist gewöhnlich ein starker Flüssigkeitsmangel, etwa bei großer Hitze oder anhaltendem Durchfall. Ausreichendes Trinken reicht in diesen Fällen aus, um die normalen Blutdruckwerte rasch wieder herzustellen.

Hormonelle Störungen, Blutarmut und Anämie können zu niedrigem Blutdruck führen

Zu einem Problem wird ein niedriger Blutdruck erst, wenn er dauerhaft anhält. In seltenen Fällen ist er die Folge anderer Erkrankungen wie hormoneller Störungen, Blutarmut oder Herzschwäche2. In diesen Fällen muss ein Arzt die Ursachen klären und die Grunderkrankung beheben – der Blutdruck wird sich mit Erfolg der Therapie wieder normalisieren.

Doch in den meisten Fällen bleibt der Hintergrund unklar, selbst eine gründliche ärztliche Untersuchung kann die Ursachen nicht aufdecken. Der niedrige Blutdruck ist dann die Folge einer körperliche Veranlagung – Ärzte nennen dies eine primäre oder konstitutionelle Hypotonie.

Körperliche Veranlagung (konstitutionelle Hypertonie)

Körperliche Veranlagung für niedrigen Blutdruck

Bei den Betroffenen weicht die Steuerung des Blutdrucks leicht von der Norm ab. Zwei wichtige Regelkreise halten den Blutdruck in den gewünschten Grenzen: Dehnungsrezeptoren in der Schlagader senden Signale an das Gehirn, während die Nieren über das Hormon Renin eingreifen können. Der "Sollwert", der diesen Regelkreisen das Ziel vorschreibt, ist bei manchen Menschen etwas zu niedrig eingestellt – ohne dass dies negative Folgen haben muss.

Grundsätzlich kann eine Hypotonie jeden treffen, aber gehäuft tritt sie bei jungen Frauen und sehr schlanken Menschen auf. Auch in den ersten sechs Monaten der Schwangerschaft ist sie nicht ungewöhnlich. Die Symptome sind vielfältig, zu den häufigsten gehören:

  • Schwindelgefühle, Benommenheit, Konzentrationsstörungen
  • Herzklopfen, Atemnot
  • Flimmern vor den Augen
  • kalte Hände und Füße

Die Probleme lassen sich meist mit einfachen Maßnahmen lösen, die die körperliche Fitness steigern und den Kreislauf unterstützen:

  • viel Bewegung: Ausdauersport, Gymnastik
  • Hydrotherapie: wechselwarme Bäder oder Duschen
  • Ernährung: ausreichend Flüssigkeit aufnehmen, kein Alkohol, Speisen gut salzen

In den allermeisten Fällen werden diese Maßnahmen den Blutdruck wieder normalisieren, der Einsatz von Medikamenten ist nur sehr selten nötig3.

Orthostatischer niedriger Blutdruck

Orthostatischer niedriger Blutdruck löst Schwindelgefühle beim raschen Aufrichten aus

Ärzte kennen noch weitere Formen von niedrigem Blutdruck. Eine häufige Variante führt zu Schwindelgefühlen beim plötzlichen Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen. Den Betroffenen kann schwarz vor Augen werden, sogar eine kurze Ohnmacht ist möglich.

Der Körper kann in diesen Fällen das Blut nicht schnell genug aus den Beinvenen zurückpumpen, das Blutvolumen im Körper verringert sich und der Blutdruck fällt4. Ärzte nennen dies einen orthostatisch niedrigen Blutdruck, von dem altgriechischen Wort Orthostase für "aufrechte Körperhaltung".

Dieses Problem trifft häufig ältere Menschen, bei denen der plötzliche Schwindelanfall leicht zu Stürzen und Knochenbrüchen führen kann. Zu den Ursachen des orthostatischen niedrigen Blutdrucks zählen auch Medikamente: Diuretika, Alphablocker, Psychopharmaka, Schlafmittel und Parkinson-Therapien4.

Ausgedehnte Krampfadern, die viel Blut in den Beinen zurückhalten, können die Neigung zu Schwindelanfällen verstärken. Hilfreich sind dann Kompressionsstrümpfe, die dem Blutstau in den Beinen entgegenwirken und die Herzfunktion unterstützen.

Um Schwindelanfälle beim morgendlichen Aufstehen zu vermeiden, kann das Kopfende des Bettes etwa 15 Zentimeter höher gestellt werden. Ansonsten helfen ähnliche Maßnahmen wie bei der primären Hypotonie: Wechselbäder, viel Bewegung und ausreichend Trinken.

Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel gibt den aktuellen Stand des Wissens wider. Er enthält jedoch nur allgemeine Hinweise, die nicht für eine Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung geeignet sind. Einen Arztbesuch kann er auf keinen Fall ersetzen.

Quellen und weiterführende Literatur

  • 1 Deutsche Herzstiftung e.V., Niedriger Blutdruck: Harmlos oder bedenklich?, Pressemitteilung August 2020 (Link)
  • 2 Apotheken Umschau, Niedriger Blutdruck (Hypotonie) , Stand Februar 2018 (Link)
alle Quellen anzeigen
  • 3 Simon und Kempinski, Arterielle Hypotonie und orthostatische Dysregulation, apotheken.de, Stand Oktober 2020 (Link)
  • 4 L. Procter, Niedriger Blutdruck (Hypotonie), MSD Manual, Stand Dezember 2019 (Link)
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